90 Jahre Vereinsgeschichte

Es ist eine beeindruckende Geschichte, auf die der FC Horchheim, seine
Mitglieder, Freunde und Gönner in diesem Jahr zurückblicken können.
Sie darf auch als Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft verstanden werden,
gekennzeichnet von Höhen und Tiefen. Die herausragenden Ereignisse
der wechselhaften Vereinsgeschichte aufzuzeigen, hat der Verfasser sich
zur Aufgabe gestellt. Dabei mußte er naturgemäß auch auf
das zurückgreifen, was man herkömmlich als Überlieferung
bezeichnet: Berichte, Bilder, Urkunden und Erzählungen aus der Vergangenheit.
Die Ausführungen sollen aber auch Ausdruck des Dankes an all jene
sein, die dem Verein – auf welche Weise auch immer – verbunden waren und
dazu beigetragen haben, daß der FC Horchheim seiner sozialen, gesundheits-
und gesellschaftspolitischen Zielsetzung und Verantwortung gerecht werden
konnte. Dies erscheint deshalb erwähnenswert, weil den Sportvereinen
– neben Elternhaus, Schule und Beruf – gerade heutzutage bedeutsame Aufgaben
zukommen: Die fortschreitende Technisierung in zahlreichen Lebensbereichen
hat vielen Menschen Bewegungsarmut und Eintönigkeit am Arbeitsplatz
wie auch im häuslichen Bereich gebracht. Der Sport erweist sich
mehr denn je als geeignetes Mittel, die Lebensqualität des Menschen
zu verbessern. Er steigert das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit
und sorgt für mehr Vitalität für die Stunden am Feierabend,
am Wochenende und im Urlaub. Er bildet darüber hinaus die Persönlichkeit
und fördert den Gemeinschaftsgeist. In diesem Sinne hat sich der FC
Horchheim seit nunmehr 90 Jahren in den Dienst des Sports gestellt.
Es war im Jahre 1911, als sich um den unvergessenen Heinrich Schneider eine Gruppe sportbegeisterter Männer in der alten Schule zusammenfand und am 15. August unter dem Namen FC Preußen 1911 Horchheim einen Verein gründete. Carl Schneider, der die Funktion des Ersten Vorsitzenden übernahm, Karl Struth, Karl Weber, Matthias Eckert, Johann Rasch, Martin Löwenguth, Josef Pawlik, Peter Philippsen und Jakob Adler sind Namen, die man in diesem Zusammenhang erwähnen muß; sie sind die Gründungsväter des Vereins und insbesondere den älteren Lesern noch bekannt.
Fußbälle wie im Mutterland des Fußballs (England), wo das Fußballspiel damals Begeisterungsstürme ausgelöst und auch bereits das europäische Festland er-reicht hatte, kannte man bei uns zu dieser Zeit noch nicht. Meist waren es Tennisbälle, die man als Balljunge auf Koblenzer Tennisplätzen „ergattert“ hatte, oder Lumpen, die man zu Bällen zusammengenäht hatte, mit denen man in Gassen, Straßen, Höfen und auf Plätzen spielte und Tore schoß. Fußballschuhe und Trikots waren selbstredend auch nicht vorhanden. Der erste richtige Ball traf 1912 aus Berlin in Horchheim ein.
Erster Gegner im sportlichen Wettkampf war der FC Fortuna Koblenz; gespielt wurde auf dem heutigen Markenbildchenplatz. Da der Spielbetrieb noch nicht verbandsmäßig organisiert war, trug der Verein anfänglich nur Freundschaftsspiele aus. Dies änderte sich in den Jahren 1913 und 1914, als der FC Horchheim sich dem Westdeutschen Spielverband anschloß. Doch schon bald brach der erste Weltkrieg aus, in dessen Verlauf der Spielbetrieb in den Jahren 1916 bis 1918 zum Erliegen kam. Aber bereits im September 1920 nahm unser Verein an den Meisterschaftsspielen des genannten Verbandes teil. Als Sportstätte diente der Sportplatz Niederfelderweg. Unsere Mannschaft errang gleich im ersten Jahre die Meisterschaft in der C-Klasse und stieg in die B-Klasse auf. Nur zwei Jahre später gelang der Aufstieg in die A-Klasse.
Schon damals richteten die Verantwortlichen im FC ihr besonderes Augenmerk auf die Jugendarbeit. Die Gruppenmeisterschaft der A-Jugend war der sichtbare Ausdruck und Erfolg dieser zielorientierten Arbeit. Sie war mit dem Namen Viktor Holl, dem damaligen Jugendtrainer des Vereins, untrennbar verbunden. Der 1901 geborene Viktor Holl war es auch, der in den Jahren 1923, 1924 und 1925 unter dem späteren Reichstrainer Professor Dr. Otto Nerz und dessen damaligem Assistenten Sepp Herberger, dem späteren Bundestrainer, an mehreren Sportlehr-gängen in Berlin teilnahm und nach deren erfolgreichem Abschluß mit dem Diplom des Fußball-Lehrers nach Horchheim zurückkehrte.
„Auf dem Foto sehen wir:
Viktor Holl, mittlere Reihe, Vierter von rechts (neben dem „Glatzkopf“)
Prof. Dr. Otto Nerz, vordere Reihe, Vierter von rechts
Sepp Herberger, vordere Reihe, Dritter von rechts“
Der FC Horchheim darf sich glücklich schätzen, eine Persönlichkeit
wie Viktor Holl als Jugendleiter und Pädagogen in seinen Reihen gehabt
zu haben. Nimmermüdes Engagement, hoher Idealismus und eine ausgeprägte
Vereinstreue sind nur einige wenige Eigenschaften, die den Menschen Viktor
Holl auszeichneten, der 1977 verstorben ist.
Portrait von Viktor Holl
Wen wundert es, wenn fortan die A-Jugend als erste Mannschaft des FC Horchheim antrat? Durch das Nachrücken talentierter Jugendlicher konnte schließlich eine so starke Seniorenmannschaft geformt werden, daß im Jahre 1933 der SV Boppard in einem Entscheidungsspiel mit 2:1 besiegt wurde, was den Aufstieg in die höchste Klasse am Mittelrhein bedeutete, der man mehrere Jahre angehört. Gegner waren hier – unter anderem – so renommierte Vereine wie TuS Neuendorf, SV Ehrang, SV Wittlich, Fortuna Kottenheim, Rheinland und TuS Mayen, FV Engers, VfB Lützel und Phönix Trier, deren klangvolle Namen weit über die Verbandsgrenzen hinaus bekannt waren. Natürlich verfügte der FC Horchheim zu dieser Zeit auch über zahlreiche Auswahlspieler. Erwähnt seien das Verteidigerpaar Hanni Zimmermann, Peter Adler und Rechtsaußen Hans Premm.
Nach Gründung der Gauliga spielte der FC Horchheim in der 1. Bezirksklasse, bevor der Ausbruch des zweiten Weltkrieges dem Senioren-Spielbetrieb ein jähes Ende setzte. Lediglich im Jugendbereich wurde der Spielbetrieb anfänglich noch aufrechterhalten. Hans Seyl, Hugo Seyl, Albert Pawlik und Ewald Zipp prägten diese Mannschaft; sie spielten allesamt auch repräsentativ in der damaligen Bannmannschaft.
II.
Der zweite Weltkrieg war kaum beendet, als sich Anfang August 1945 unter der Führung des unvergessenen Josef Pfaff die ersten Unentwegten in der Gaststätte Ries zusammenfanden, um den FC Horchheim wieder ins Leben zu rufen. Dazu bedurfte es allerdings der Genehmigung der französischen Besatzungsmacht, die dank der guten Beziehungen zu dem damaligen Sportoffizier auch bald erteilt wurde. Da der Name „Preußen“ – aus Sicht der Besatzungsmacht – naturgemäß keinen guten Klang hatte, wurde der Verein kurzerhand in FC 1911 Horchheim umbenannt.
Der Club fand bald zu alter Spielstärke zurück, wurde, nachdem man in den beiden ersten Nachkriegsjahren ohne Auf- und Abstiegsregelung gespielt hatte, in der Spielzeit 1947/48 Meister der B-Klasse Koblenz und qualifizierte sich nach Siegen in den Aufstiegsspielen gegen Dahlheim (8:1) und Nassau (4:3) für die A-Klasse, der man bis 1953 angehörte.
Erschwert wurde die sportliche Entwicklung des Vereins in der Nachkriegszeit dadurch, daß der FC in dieser Zeit sämtliche Spiele auf fremden Plätzen austragen mußte, da der Sportplatz Niederfelderweg der NS-Zeit zum Opfer gefallen und teilweise in Privateigentum übergegangen war. Dem damaligen Vereinsvorsitzenden Paul Stahlhofen gelang es schließlich nach mühsamen Verhandlungen, das Gelände am „Mendelssohnpark“ für einen neuen Sportplatz zu erhalten. Ihm sei an dieser Stelle in besonderer Weise gedankt. Dank gebührt aber auch dem schon erwähnten Josef Pfaff sowie den Mitgliedern August Brühl, Anton Bohn, Richard Fries, Werner Hardt, Werner Lay, Nikolaus Becker und Willi Pfaff. Sie alle haben durch ihren lobenswerten und selbstlosen Einsatz bei der Erstellung der Stützmauer und Einfriedungen unverzichtbare Arbeit geleistet. Neben ihnen sei aber auch dem Vereinsmitglied Franz Schneider und der Stadtverwaltung Koblenz ein herzliches Wort des Dankes gesagt. Franz Schneider war es, der dem Verein in diesen schweren Zeiten mit Rat und Tat zur Seite stand und Geräte sowie Material zur Verfügung gestellt hat.
Unvergessen für alle, die dabei waren, ist der Tag, an dem im Oktober 1953 der neue Platz seiner Bestimmung übergeben und eingeweiht wurde.
Unsere erste Mannschaft errang im selben Jahr die Herbstmeisterschaft und nach Ablauf der Saison 1953/54 die Meisterschaft in der A-Klasse Koblenz.
Fortan spielte die erste Seniorenmannschaft in der 2. Amateurliga. Erwähnt sei hier die Spielzeit 1955/56, als sie schon nahezu aussichtslos am Tabellenende stand und sich in einem Entscheidungsspiel gegen den FSV Moselkern in Winningen mit einem 2:1 Sieg die weitere Klassenzugehörigkeit sicherte. Werner Scholz und Fred Kroszewski, beide in der Erinnerung unvergessen, waren die überglücklichen Torschützen.
Die Saison 1957/58 stand ganz im Zeichen unserer A-Jugend. Was niemand zu hoffen gewagt hatte, wurde Wirklichkeit. Als Außenseiter gestartet, wurde die Mannschaft nach Erfolgen – unter anderem – über Metternich, Neuendorf und Bendorf Kreismeister, gewann nach Siegen gegen Kirchberg und Oberwesel im Endspiel um die Bezirksmeisterschaft kurz vor dem Ende der Verlängerung gegen Mayen und verlor erst das Endspiel um die Landesmeisterschaft in Mayen gegen Eintracht Trier mit 1:2. Es war jene Trierer Mannschaft, die später das Gerippe der Oberligamannschaft dieses Vereins bildete.
Herausragendes Ereignis des Jahres 1958 war die Errichtung und Inbetriebnahme einer Flutlichtanlage. Sie wurde in der Rhein-Zeitung mit überschwenglichen Worten gewürdigt, war sie doch die erste ihrer Art im Großraum Koblenz.
Im Mittelpunkt des Jahres 1961 standen die Feierlichkeiten aus Anlaß des 50-jährigen Vereinsbestehens. Schirmherr war der Horchheimer Mitbürger Justiz- und Kultusminister a.D. Professor Dr. Adolf Süsterhenn. Erster Vorsitzender des Vereins in diesem Jubiläumsjahr war Karl Sauder.
III.
Die folgenden Jahre fanden mit dem Erreichen des Endspiels im Pokalwettbewerb
des Fußballverbandes Rheinland im Jahre 1963, in dem der FC Horchheim
den SV Elkenroth in Bad Marienberg durch ein Tor von Fritz (Sim) Breitbach
mit 1:0 besiegte und damit den Titel „Rheinland-Pokalsieger“ errang, ihren
Höhepunkt. Ein bis heute einmaliges Ereignis in der Geschichte des
Fußballverbandes Rheinland, daß ein Vertreter der 2. Amateurliga,
heute Bezirksliga, die höchsten Pokalehren auf Verbandsebene erreichte.
Man stelle sich vor, der FC Horchheim hätte diesen Titel heutzutage errungen: Er würde sich damit für den weiterführenden Pokalwettbewerb auf DFB-Ebene qualifiziert haben mit der Folge, daß Bayern München, Borussia Dortmund, der 1. FC Kaiserslautern oder Hertha BSC Berlin, um nur einige Namen von Bundesligisten zu nennen, der nächste Gegner gewesen wäre . Sie merken: Ich gerate ins Schwärmen und träume....... Doch leider bestand für den Pokalsieger der Landesverbände im Bereich des DFB diese Chance damals noch nicht.
Wenden wir uns wieder der Realität zu! Sie zeigt, daß der FC sich auf den errungenen Lorbeeren nicht ausruhte. Er belegte in derselben Spielzeit (1962/63) in der Abschlußtabelle der 2. Amateurliga – Staffel Süd – wie auch nach Beendi-gung des darauffolgenden Spieljahres in der Bezirksliga – Staffel West – jeweils den dritten Platz. Begeisternd in beiden Spielzeiten war der Angriffsfußball, mit dem die erste Mannschaft sich in die Herzen ihrer Fans spielte: 88 Toren im Spieljahr 1962/63 standen gar 105 Tore in der Saison 1963/64 gegenüber. Nicht minder begeisternd war auch das Zuschauerinteresse: 3.560 Besucher weist die Statistik des Fußballverbandes Rheinland für die 15 Heimspiele unseres FC in der Spielzeit 1963/64 aus. Ich könnte schon wieder träumen.........
Und der sportliche Weg führte weiter nach oben. 1964/65 erreichte der FC in der Abschluß-Tabelle der Bezirksliga – Staffel West – hinter dem FV Rübenach den zweiten Platz, um im Spieljahr 1965/66 mit 47:13 Punkten und dem erneut impo-nierenden Torverhältnis von 101:40 die Meisterschaft in dieser Klasse zu erringen. Der FC war damit in die Rheinland-Liga als die damals höchste Spielklasse im Fußballverband Rheinland aufgestiegen.
Hier war unserem Verein leider nur ein kurzes Verweilen beschieden. Er mußte nach nur einem Jahr mit Ablauf der Spielrunde 1966/67 die Klasse wieder verlassen. Die Gründe hierfür waren jedoch nicht nur sportlicher Art; sie lagen vielmehr im wesentlichen darin, daß unsere erste Mannschaft vom ersten Spieltag an sämtliche Heimspiele „auswärts“, d.h. auf dem „Kränchen“ im benachbarten Niederlahnstein, austragen mußte, da der eigene Platz am „Mendelssohnpark“ nicht die vom Verband geforderte Spielgröße hatte. Den Verfasser dieser Chronik erzürnt dies noch heute, wenn er an die wohlwollende Haltung der „Verbandsoberen“, zu denen er heute selbst zählt, in vergleichbaren Fällen denkt. Die Finger einer Hand reichen bei weitem nicht aus, um all die Fälle aufzuzeigen, in denen Vereinen, deren Platz ebenfalls nicht die vorgeschriebenen Maße aufwies, auf ihren Antrag Ausnahmegenehmigungen, gelegentlich sogar in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren, erteilt worden sind. Doch der FC Horchheim hatte seinerzeit – anders als heute – offensichtlich nicht die Lobby, um zu erreichen, daß er zumindest für das erste Jahr der Zugehörigkeit zur Rheinland-Liga die Heimspiele seiner ersten Mannschaft auch auf heimischem Gelände austragen durfte. Die Freunde im damaligen Vorstand des FC mögen mir dies verzeihen!
„Stimmungsbild vergangener Tage vom Sportplatz am Mendelssohnpark“
Der Aufstieg in die Rheinland-Liga kam den Verein sportlich wie finanziell teuer zu stehen. Nach bravourösem Start (3:2 Erfolg in Bendorf, 1:1 Unentschieden gegen die starke Alemannia Plaidt) wurden unsere faktischen „Auswärtsspiele“ nach einigen Niederlagen von immer weniger Horchheimer Zuschauern besucht, die uns am „Mendelssohnpark“ immer treu unterstützt hatten. Ohne den für einen Aufsteiger wichtigen Rückhalt durch die eigenen Fans und das notwendige Glück war der sportliche Höhenflug unseres FC mit Trainer Heinz Wölk (ehemaliger Vertragsspieler beim TSV Marl-Hüls und TuS Neuendorf) nach 12 schwierigen Monaten beendet. Der Spielbetrieb wurde in dieser Zeit nur noch von wenigen Vorstandsmitgliedern getragen. Dies wird exemplarisch daran deutlich, daß der nach Lebensjahren nicht mehr junge Erste Vorsitzende Hans Hoffmeyer, der den Spie-lern ihre „Belohnung“ in Samentütchen zukommen ließ, selbst mit gefrorenen Händen das „Kränchen“ abkreiden mußte.
So mühsam der Aufstieg erreicht werden konnte, so schmerzlich bahnte sich für die nächsten Jahre, die mit Blick auf die Entwicklung der ersten Mannschaft vielleicht die bittersten der jüngeren Vereinsgeschichte waren, der stetige Fall in sportliche Tiefen an: Fast die gesamte Meistermannschaft kehrte nach dem Abstieg bis auf den treuen „Ottes“ Walther unserem Verein, nur vereinzelt aus verständlichen Gründen, zur Enttäuschung der wenigen noch verbliebenen Fans und des Vorstandes den Rücken. Damit begann das sportliche Chaos.
Gott sei Dank konnten wir noch einige Spieler der zweiten Mannschaft und aus der Jugendabteilung um den verbliebenen braven „Ottes“ Walther scharen und so wenigstens den Spielbetrieb der ersten Mannschaft bis 1968/69 in der Bezirksliga aufrechterhalten, denn nach dieser Saison mußte unsere erste Mannschaft 1969/70 in die A-Klasse Koblenz absteigen. Die sportliche Talfahrt ging indessen weiter: 1970/71 mußte die unerfahrene erste Mannschaft wegen ihrer Spielschwäche für die damalige 2. Kreisklasse (heute C-Liga) gemeldet werden, auch um der jungen Mannschaft wieder sportlichen Boden und Motivation zu verschaffen (Helmut Bauer war damals nicht nur Vorstandsmitglied, sondern Allroundspieler in der ersten und zweiten und Altherren-Mannschaft). Dabei mußten schmerzliche Schlappen hingenommen werden. Der Chronist erinnert sich an den Spielverlust mit 0:13 am 16.5.1970 im Pokalspiel mit 8 Spielern gegen VfR Salzig oder an die 0:12 Niederlage im Meisterschaftsspiel gegen den ESV Ehrenbreitstein (mit Werner Hölzenbein) in demselben Jahr. Das Vereinsschiff FC Horchheim wackelte ganz bedenklich, weil sowohl Spieler wie Vereinsmitarbeiter fehlten.
Der damalige 2. Vorsitzende mußte in dieser schweren Zeit eine Generalversammlung zum Zwecke der Auflösung des Vereins einberufen, um den Mitgliedern den Ernst der Lage zu verdeutlichen.
Damals waren sportliche Erfolge nur im Jugendbereich zu vermelden.
IV.
Eine neue Ära begann zaghaft im Jahre 1971, als man nach Abschluß der Saison wieder in die 1. Kreisklasse (heute B-Liga) aufsteigen konnte. Nachdem die Stadt Koblenz in diesem Jahre dem Verein eine neue Sportanlage (allerdings ohne Umkleide- und Flutlichtanlage) auf der Horchheimer Höhe bereitgestellt hatte, sollte der Verein ab 1975 mit dem neuen Ersten Vorsitzenden Walter Weinbach wieder stabilisiert werden. Der Traum vom eigenen Clubhaus mit Dusch- und Toilettenanlagen, das schon am „Mendelssohnpark“ fehlte und allen Vereinsmitgliedern Heimat und Kommunikation auch über das Spiel hinaus bieten sollte, fand in einer Besprechung mit den Seniorenspielern der ersten und zweiten Mannschaft im damaligen Umkleidelokal "Turnerheim“ die begeisterte Zustimmung aller Befragten, die sich spontan zur Mitarbeit bei der anstehenden Baumaßnahme verpflichteten. Ohne Eigenleistung des Vereins hätten nämlich die vom Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Koblenz gewährten Zuschüsse zur Finanzierung nicht ausgereicht. Begünstigt wurde das Bauobjekt durch die vielseitigen Kontakte des Ersten Vorsitzenden zu Behörden und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der junge Vorsitzende war nicht nur Ideengeber, sondern zeichnete auch für die Finanzierungs- und Baugenehmigungsplanung sowie deren Umsetzung verantwortlich. Wie üblich trug auch hier die Länge die Last: Der anfängliche überschwängliche Arbeitseinsatz der aktiven Spieler bröckelte nach Wochen und Monaten des Bauens immer mehr ab, so daß am Ende Alfred Meinhardt und Helmut Bauer allein mit dem Vorsitzenden den Innenausbau vornehmen mußten, und das auch in der Kälte der Wintertage. Zur großen Freude aller Vereinsmitglieder konnte das neu erstellte Clubhaus, das beim Sportwochenende 1997 „Walter Weinbach-Haus“ genannt werden sollte, am 3.9.1977 im Beisein vieler Gäste im Rahmen des 1. Sportwochenendes, das fortan alljährlich begangen wurde, eingeweiht werden. Dieses erhielt 1989 anstelle des alten Flachdaches ein neues Satteldach und wurde zusätzlich um eine vereinseigene Gaststätte erweitert, die insgesamt als Treffpunkt der FC-Familie und ihrer Freunde nicht mehr wegzudenken ist. 1995 wurde die elektrische Heizungs- und Warmwasseranlage (Nachtspeichersystem) durch eine gasbefeuerte Anlage ersetzt. Dank sei an dieser Stelle nochmals Helmut Bauer und Alfred Meinhardt für die Maurerarbeiten und unserem Fußballobmann Toni Später für das Zimmerergewerk gesagt. Aus der Zahl der ehrenamtlichen Helfer bei allen Maßnahmen sei stellvertretend „Ottes“ Walther und Karl Heinz Scholz für ihre großartige Hilfe gedankt! Ohne diese Sportkameraden und die unterstützenden Firmen, hier gilt der Dank besonders der Firma Elektro-Pretz GmbH - die Firma Jansen aus Weißenthurm hatte die Bimssteine gespendet -, hätte unser Traum vom eigenen Clubhaus und der eigenen Sportanlage nicht Wirklichkeit werden können, die 1978 mit einer neuen gleichfalls in Eigenleistung des Vereins erstellten Flutlichtanlage komplettiert wurde. Aber auch Gerd Schmitt, der sich Mitte der siebziger Jahre wieder als Geschäftsführer um den Verein bemühte und sich in dieser Zeit auch als Trainer um den FC verdient gemacht hat, sei herzlich gedankt.
Doch wer geglaubt hatte, mit dieser sehr erfreulichen Entwicklung außerhalb des Spielfeldes stelle sich auch der Erfolg auf dem Rasen ein, sah sich getäuscht. Negativer Höhepunkt und Ende der mit dem Abstieg aus der Rheinland-Liga ein-setzenden sportlichen Talfahrt war nach 8 Jahren der Zugehörigkeit in der 1. Kreisklasse, die ab 1977/78 Kreisliga B bezeichnet werden sollte, der erneute Abstieg der ersten Mannschaft in die C-Liga des Kreises Koblenz im Jahre 1979. Er hatte sich bereits Ende der Spielzeit 1977/78 angedeutet, als wiederum zahlreiche Spieler den Verein verließen, denen im Laufe der folgenden Saison fünf weitere folgten. Es gehört zur Pflicht des Chronisten, auch hier auf diese wenig erfreulichen Tatsachen hinzuweisen.
Die Entwicklung in den folgenden Jahren macht deutlich und belegt, daß ein Abstieg, so schmerzlich er auch sein mag, die Geburtsstunde für einen Neuanfang und einen damit verbundenen sportlichen Aufstieg sein kann.
Dank – unter anderem – der finanziellen Unterstützung durch den vom damaligen Ersten Vorsitzenden Anton Bohn ins Leben gerufenen Kreis von Förderern, Freunden und Gönnern der ersten Mannschaft des FC formte Wilfred Wirges, der aus Lahnstein zu uns gekommen war, um die Spieler Hans und Jürgen Igel, Harald Kasper und die „Heimkehrer“ Dieter Geis, Helmut Groebel, Peter Seyl, Claus Zimmermann und Peter Fries innerhalb kurzer Zeit eine schlagkräftige Mannschaft, die fortan für Furore sorgte, auf Anhieb die Meisterschaft in der Kreisliga C errang, mit Ablauf des Spieljahres 1980/81 als Vizemeister der B-Liga den Aufstieg in die Kreisliga A schaffte, im selben Spieljahr Kreispokalsieger wurde und wiederum nur ein Spieljahr später als Meister der Kreisliga A in die Bezirksliga aufstieg, wo die Mannschaft in der Spielzeit 1982/83 einen beachtlichen 6. Tabellenplatz belegte.
Lieber
Wilfred, nimm auf diesem Wege nochmals meinen ganz herzlichen Dank entgegen
– persönlich und stellvertretend für die Mannschaften, die Du
als Trainer geführt hast! Es war eine wunderbare Zeit! In diesen Dank
schließe ich den damaligen Ersten Vorsitzenden Heinz Braun ebenso
herzlich ein wie den tüchtigen Fußballobmann Artur Hastrich.
Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga in der Saison 1983/84 spielte unsere erste Mannschaft mit wechselndem Erfolg in der A-Klasse Koblenz. Dabei ließ das Spieljahr 1992/93 die Herzen der FC-Anhänger höher schlagen, weil sich unsere erste Mannschaft bis zum letzten Spieltag vor einem Heimspiel als Tabellenführer der A-Klasse und somit als (fast) sicherer Aufsteiger präsentierte. Es bedurfte nur noch eines Heimsieges gegen den SV Hillscheid. Trotz mehrerer hundertprozentiger Torchancen, mit Pech und gegen einen hervorragenden Gästetorhüter Heinen erreichte man bei strahlendem Wetter nur ein 0:0 Unentschieden. Damit war unsere Mannschaft nach Abschluß des letzten Spieltages punktgleich mit dem zweitplazierten VfB Lützel. Weil das Torverhältnis nicht zählte, kam es somit zu einem Entscheidungsspiel in Bendorf, das der VfB Lützel mit 1:0 für sich ent-schied. Die Enttäuschung war riesig und so groß, daß die erste Mannschaft auch in der nachfolgenden Relegationsrunde scheiterte und trotz großer Hoffnungen in der A-Klasse verbleiben mußte.
Diese 1. Seniorenmannschaft war nach der Erinnerung des Verfassers übrigens die letzte, in der unter dem engagierten Trainer Jürgen Heil (fast) ausschließlich Horchheimer Buben für den FC kämpften. Diese waren geschlossen aus einer wiederum spielstarken A-Jugend hervorgegangen.
V.
Sportliche Höhepunkte konnte der FC erst wieder in der Spielzeit 1998/99 verzeichnen. Durch einen 2:1 Sieg in Weitersburg sicherte sich die erste Mannschaft bereits am vorletzten Spieltag den Meistertitel in der Kreisliga A und damit den erneuten Aufstieg in die Bezirksliga – Staffel Mitte -. „Ein Traum ist Wirklichkeit geworden“. Mit diesen Worten des Ersten Vorsitzenden Hans Weber titelte die Rhein-Zeitung in ihrer Montag-Ausgabe am 10. Mai 1999 in großen Lettern. Die zweite Mannschaft tat es der ersten gleich und errang am selben Wochenende die Meisterschaft in der Kreisliga C. Die Tage danach darf man in der Vereinsgeschichte getrost als „Feiertage“ bezeichnen. Der FC war in aller Munde und dies nicht nur in Horchheim.
Vervollständigt
wurde die Reihe der sportlichen Erfolge in jenem Jahr durch den Gewinn
des Kreispokales, die Erringung führender Plätze und damit verbundener
Geldpreise im Fairneß-Wettbewerb der Sparkasse Koblenz. Sie belegen,
daß der FC Horchheim seine Erfolge auf dem Spielfeld in sportlicher
Fairneß erstritten hat.
Darauf dürfen wir stolz sein!
Auch
jetzt, da diese Zeilen geschrieben werden, spielt der Club mit seiner ersten
Mannschaft in der Bezirksliga. Die zweite Mannschaft spielt in der Kreisliga
B Koblenz..
Wie die Mannen unserer zweiten Mannschaft das Jahr über im Schatten der ersten Mannschaft stehen, so sind sie auch bei den Ereignissen dieser Chronik zu kurz gekommen. Deswegen ist der Schluß dieses Kapitels besonders herzlich allen Spielern, Trainern und Betreuern der zweiten Mannschaft gewidmet, die genauso beherzt und schlagkräftig wie die erste Mannschaft, Jugend- und Altherren-Mannschaften die Farben des FC in der früheren Reserveklasse Koblenz und seit Jahren in der Kreisliga Koblenz vertreten haben und vertreten. Aus ihren Reihen sind immer wieder talentierte Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft eingemündet bzw. Ersatzspieler gestellt worden, um den Kader der ersten Mannschaft zu ergänzen. Für diese sportliche Einstellung, ihre Treue und Kameradschaft sowie ihren sportlichen Ehrgeiz sei der zweiten Mannschaft ein großes Dankeschön zugerufen! Mag sie auch in Zukunft Rückgrat und Stütze der ersten Mannschaft und des Vereins sein.
Parallel zu den sportlichen Aktivitäten sowohl im Senioren- als auch im Jugendbe-reich, dem nach wie vor ein besonderes Augenmerk der Verantwortlichen im Verein gilt, bilden die Pflege und Förderung des geselligen und gesellschaftlichen Lebens in mannigfacher und unterschiedlicher Art einen wichtigen Bestandteil des Vereinslebens.
An die Leser richtet der Chronist zum Abschluß die Bitte um Verständnis, wenn er nicht die Namen aller, die sich in der 90-jährigen Geschichte um den Verein ver-dient gemacht haben, erwähnt hat. Ihnen allen sei ein herzliches Wort des Dankes gesagt.
Viktor Holl und Walter Weinbach verdanke ich wertvolle Handreichungen
für die Erstellung dieser Chronik.